Springe zum Inhalt

Endlich das Licht für Barrierefreiheit anschalten

Logo: Noch 89 Tage für ein gutes Barrierefreiheitsrecht
Marleen Soetandi

Halle: Heute, am 29. März, da den Bundestagsabgeordneten noch 89 Tage verbleiben, um in dieser Legislaturperiode ein gutes Barrierefreiheitsrecht zu beschließen, fordert die blinde Journalistin Jennifer Sonntag aus Halle, dass endlich das Licht für Barrierefreiheit angeschalten wird. "Als blinde Journalistin darf ich das sagen: 'Da, wo die Barrierefreiheit noch im Dunkeln steht, müssen wir ihr (symbolisch gesprochen) das Licht einschalten.' Barrierefreiheit ist kein 'hehres' Ziel, sondern ein Menschenrecht. Aber wir haben uns hier gerade mal die Schuhe angezogen, viel zu oft die Hemmschuhe", betonte Jennifer Sonntag.

Als Nutzerin eines Blindenführhundes hat Jennifer Sonntag die Debatte zu Regelungen zur Nichtdiskriminierung von Nutzer*innen mit Assistenzhunden aufmerksam verfolgt. "Über Barrieren im Alltag hilft mir zu einem großen Teil mein Blindenführhund Paul. Deshalb mache ich mich als Inklusionsbotschafterin für die Zutrittsrechte von Assistenzhunden stark. Aber es gibt strukturelle Barrieren, die kann der Hund nicht bewältigen, hier brauchen wir Gesetze, die unsere Teilhabe regeln", so der Appell von Jennifer Sonntag. Gerade auch Barrieren bei digitalen Angeboten ärgern Jennifer Sonntag besonders, weil hier täglich neue Hürden aufgebaut werden, die Menschen von ihrer Nutzung ausschließen.

In der Krise zeige sich ihrer Meinung nach nicht nur der Charakter, sondern auch der Stellenwert von Barrierefreiheit. "Isoliert zu sein, vergessen oder gar aussortiert zu werden, diese traumatischen Erfahrungen sind mir allzu bekannt und vor dem Hintergrund der Triage entstand ein neues, tiefes Trauma. Hier wird es tiefe Wunden zu nähen geben."

Jennifer Sonntag zeigt auf Kristall an ihrem Langstock
Jennifer Sonntag

Zu dem Bild, das Jennifer Sonntag für die Kampagne für ein gutes Barrierefreiheitsrecht zur Verfügung gestellt hat, sagt sie: "Ich zeige auf den Kristall an meinem Langstock. Für mich ist das ein wichtiges Empowerment-Symbol, nicht nur was die Akzeptanz meiner Blindheit betrifft, sondern auch was den Kampf für Barrierefreiheit betrifft. Mit dem Stock musste ich mich schon durch so manche Barriere 'schlagen'."